Harald Naegeli in Köln

9. März – 12. Juni 2022

Harald Naegeli (*1939) kam Anfang der 1980er Jahre nach Köln. Die Begegnung von Künstler und Stadt war für beide ereignisreich. Harald Naegeli reagierte auf die Stadt, indem er sie künstlerisch interpretierte. Die Stadt reagierte sowohl mit unterstützender Anerkennung als auch mit Gegenwehr auf die Interventionen des Künstlers.
Als 1979 in der Schweiz gegen den „Sprayer von Zürich“ eine Anklage der Staatsanwaltschaft wegen wiederholter Sachbeschädigung erhoben wurde, floh Naegeli während des laufenden Prozesses nach Westdeutschland und fand 1980 Unterschlupf in Köln.

Was erwartete den verfolgten Harald Naegeli in der Domstadt? Bei nächtlichen Streifzügen traf er auf Sichtbeton-Bauten der Nachkriegsmoderne. Der Anblick der Bauten entsetzte ihn und forderte ihn zugleich zu „zauberhafter Poesie“ in Tiefgaragen, auf Brückenpfeilern, Hauswänden, Treppen und Mauern heraus. Doch zugleich entdeckte er das mittelalterliche Köln und ließ sich von den alten Kölner Kirchen zu besonderen Kunstwerken auf Stein inspirieren. Seine Kunst war dabei weder käuflich noch genehmigt und das hatte unterschiedliche Folgen.

Die Ausstellung untersucht die kreativen und politischen Wechselwirkungen zwischen der Stadt und dem Künstler, der nicht nur zu den ersten Street-Art Künstler*innen Kölns, sondern Europas zählt. Durchleuchtet wird auch, wie sich Harald Naegeli verschiedenster Themen der mittelalterlichen Kunst bedient, wie beispielsweise Anfang der 1980er Jahre mit dem „Kölner Totentanz“, aber auch in jüngeren Arbeiten auf Papier. 2018 und 2020 schenkte Harald Naegeli dem Museum Schnütgen großformatige Tuschezeichnungen der Urwolke mit feinsten Linien, Strichen und Punkten und kleinformatige Arbeiten auf Papier mit unterschiedlichen figürlichen Darstellungen, von denen eine Auswahl in der Ausstellung gezeigt wird.

Naegelis Arbeiten begegnen in St. Cäcilien den mittelalterlichen Objekten des Museums – wobei das Thema des Totentanzes in einem zeitlich und die Gattungen übergreifenden Sinn im Zentrum steht. Auf diese Weise trägt das Museum Schnütgen zu einer modernen Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe bei, welches durch die Sammlung verkörpert ist.

Tipp:
Begeben Sie sich auf die Spuren des Sprayers von Zürich und machen Sie mit beim Aufbau eines virtuellen Naegeli-Museums in seiner Heimatstadt Zürich! WWW.SPRAYERVONZÜRICH.COM

Dieses Archiv entsteht im Auftrag des Atelier Harald Naegeli in Zusammenarbeit mit MONTAG digital, dem Musée Visionnairezeitgeist.ch und der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte